Verlag Winfried Jenior, Lassallestr. 15, D-34119 Kassel
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Studien zu Subsistenz, Familie, Politik
Herausgegeben von Lars Lambrecht, Thomas Mies, Urte Sperling, Karl Hermann Tjaden, Margarete Tjaden-Steinhauer
 
Hinweis auf Neuerscheinung: Umwelt, Macht und Medizin.
Zur Würdigung des Lebenswerks von Karl-Rainer Fabig
 
Band 1: Gesellschaft von Olduvai bis Uruk
Soziologische Exkursionen
 
Band 2: Gesellschaft von Rom bis Ffm
Ungleichheitsverhältnisse in West-Europa und die iberischen Eigenwege
 
Band 3: Gesellschaft von Tikal bis irgendwo
Europäische Gewaltherrschaft, gesellschaftliche Umbrüche, Ungleichheitsgesellschaften neben der Spur
 
Band 4: Gesellschaft, Herrschaft und Bewußtsein
Symbolische Gewalt und das Elend der Zivilisation
 
Stimmen zum Programm der Reihe "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik":

Georg Fülberth: Marxismus und die "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik"

"Der Umbruch 1989 ff. hat unter Marxist(inn)en Reflexionen über die theoretischen Voraussetzungen ihrer bisherigen Politik verursacht. Die häufigsten Resultate waren Abschwören und lernunfähige Halsstarrigkeit.
Eine überregionale Arbeitsgruppe (mit einem nördlichsten Ausläufer in Dänemark) [...] zeigt sich unbeeindruckt von dem äußeren Anlass dieser neuen (und mittlerweile ja auch schon wieder in die Jahre gekommenen) Reflexe und ist gerade deshalb im Ergebnis radikaler. Nicht die politische Niederlage ist für sie das Bedenkliche, sondern eine zu schmale Ausstattung des bisherigen Historischen Materialismus selbst. Er sei bereits im 19. Jahrhundert in eine Engführung geraten, die durch spätere zwar zeitweilig einflussreiche, aber letztlich sich doch als Sackgasse erweisende Verzweigungen nicht beseitigt wurde. Zu diesen gehören die geisteswissenschaftlich ausgerichtete Frankfurter Schule und der Marxismus-Leninismus. (Als weiteres Beispiel könnte hier auch noch der Neo-Gramscianismus genannt werden, der auf Ökonomie sich nur scheinbar einlässt.)
Die bisherigen Resultate der Arbeitsgruppe werden in einer Reihe mit dem Titel "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik" veröffentlicht. Mittlerweile liegen drei Bände vor. [...]
Der hier dargestellte theoretische Rahmen entsteht nicht aus Spekulation, sondern durch Nutzbarmachung des durch Einzelwissenschaften (Archäologie, Paläontologie, Mediävistik, Geschichte) bereitgestellten empirischen Materials. Dabei ließ es sich eingestandenermaßen nicht vermeiden, dass eine Auswahl getroffen wurde: der afrikanische Entstehungsraum der Menschheit, die ersten Ungleichheitsgesellschaften des Zweistromlandes, Phönizier, Hebräer, Griechen, die römische Antike, der (ost-)fränkisch/deutsche Feudalismus, die 'iberischen Eigenwege' insbesondere in den Jahrhunderten maurischer Herrschaft, die altamerikanischen Kulturen der Mayas, Inkas und Azteken, die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Hier ist also auch in der Breite enorm viel geleistet, auch wenn z. B. Ostasien noch nicht behandelt wurde. [...] Wer sich vor allem für die aktuellen und unmittelbar politischen Implikationen des hier vorgestellten Ansatzes interessiert, findet im dritten Band der Reihe (-Gesellschaft von Tikal bis irgendwo-) am schnellsten, was er (oder sie) sucht. [...] Hier [...] wird deutlich, dass die Autorinnen und Autoren den Kontext, in dem sich einst die Arbeiterbewegung befand, beibehalten. Aber sie orientieren Umwälzung jetzt auch an Gesichtspunkten der Reproduktion, der Selbstentfaltung und Gefahrenabwehr. Ihre Praxis bezeichnen sie offenbar lieber als 'emanzipativ' denn als 'fortschrittlich'."
(G. Fülberth in "Marxistische Blätter" 5/2004)

Karl-Rainer Fabig: "Life Sciences" und die "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik"

"Was steckt eigentlich hinter dem sich offenbar wandelnden Begriff 'Life' und welche Art von Respekt erfordert 'Life' von 'Science'?
Vielleicht sollte jeder nur über die Dinge reden, die er einigermaßen übersieht. Ich hatte bisher nicht nur die Möglichkeit, einen möglicherweise sinnvollen Beruf in einer sehr oft sinnlos erscheinenden Umwelt auszuüben, sondern auch die Möglichkeit zu politischen Erfahrungen im Rahmen der 68er-Studentenbewegung und später. Seit 1979 bis heute bekam ich insbesondere wissenschaftlich-umweltmedizinischen Belehrungsunterricht durch die Folgen des Agent Orange aus dem Vietnam-Krieg und von Umweltskandalen in unserem Land.
In den letzten Jahren kam der Versuch einer Art Praxisforschung hinzu, einer speziellen Auswertung von mehr als 800 komplizierten Befunden von Patienten, bei denen ich molekulargenetische Analysen von Enzymen im sogenannten Fremdstoffwechsel (mit Chemikalien und Arzneimitteln) vornehmen ließ. [...]
Von dieser Befundlage hatten auch einige universitär arbeitende Bekannte, vorwiegend Soziologen, erfahren, die gerade an einem dritten Band über ihre Sichtweise von 'Life Science' arbeiteten. Die Herausgeber baten mich deshalb um einen Beitrag in dem dritten Band ihrer Buchreihe, die den Namen trägt: 'Studien zu Subsistenz, Familie, Politik'. Das von mir verfasste Kapitel heißt: 'Genvarianten und Umweltgifte'.
An diesem Buch, das sich mehr als andere mit geschichtlichen Abläufen und Entwicklungen befasst, die eher als das gegenwärtige Wortgeklingel der eigentliche Sinn von 'Life Science' sein könnten, habe ich mich besonders gern beteiligt, weil es sowohl ein 'Vorwort' als auch ein 'Nachwort' bekam, in dem es 'um das Eingemachte' des Menschen und seiner Entwicklung in seiner Mitlebewelt und seinen Gesellschaften geht.
Diesen Blickwinkel von Life Science, von Möglichkeiten und Wirklichkeiten im Fortschritt und Rückschritt von Gesellschaften und Geschichte in den 'Studien zu Subsistenz, Familie, Politik' möchte ich den finanziell motivierten Life Science-Projekten entgegenstellen. [...]
Die geographische Breite, die in den 'Studien zu Subsistenz, Familie, Politik' angestrebt wird, hat - nach Fülberth - nichts mit enzyklopädischem Ehrgeiz zu tun, sondern dient der Überprüfung (und auch der Falsifizierung) einer Sichtweise, die eine Entwicklungslinie vom Zweistromland über die Antike, den europäischen Feudalismus bis zur Industriellen Revolution verabsolutiert. Es gibt keine Kausalität, in der zwingend eine Stufe auf die andere folgt. Zugleich wird eine plumpe Auffassung von Fortschritt in Zweifel gezogen. Verengt man letzteren zur wachsenden Naturbeherrschung, muss in Rechnung gestellt werden, daß diese von Anfang an mit ökologischer Belastung verbunden und - falls nicht ursächlich, dann aber auch nicht zufällig - von Ungleichheit und zunehmender Gewalttätigkeit in den gesellschaftlichen Beziehungen (auch zwischen den Geschlechtern) begleitet war. [...]
Wichtig erscheinen nun die 'Schlussbemerkungen: Reform und Revolution - vorsichtig betrachtet' [in Band 3]: 'Wir halten fest an den Begriffen Reform und Revolution in der Bedeutung praktischer Veränderungen - des Abbaus oder der Beseitigung - realer Lebensumstände, welche einer wohlverstandenen Selbsterhaltung der vergesellschafteten Menschen entgegenstehen.'"
(K.-R. Fabig in "Hamburg: Wachsende Stadt durch schrumpfendes Gemeinwesen?", Hrsg. v. Meinhard Meuche-Mäker, Hartmut Obens, Rainer Volkmann, Hamburg 2005)

 
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