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Stimmen zum Programm der Reihe "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik":
Georg Fülberth: Marxismus und die "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik"
"Der Umbruch 1989 ff. hat unter Marxist(inn)en Reflexionen über die
theoretischen Voraussetzungen ihrer bisherigen Politik verursacht. Die
häufigsten Resultate waren Abschwören und lernunfähige Halsstarrigkeit.
Eine überregionale Arbeitsgruppe (mit einem nördlichsten Ausläufer in Dänemark)
[...] zeigt sich unbeeindruckt von dem äußeren Anlass dieser neuen
(und mittlerweile ja auch schon wieder in die Jahre gekommenen) Reflexe und
ist gerade deshalb im Ergebnis radikaler. Nicht die politische Niederlage ist
für sie das Bedenkliche, sondern eine zu schmale Ausstattung des bisherigen
Historischen Materialismus selbst. Er sei bereits im 19. Jahrhundert in eine
Engführung geraten, die durch spätere zwar zeitweilig einflussreiche, aber
letztlich sich doch als Sackgasse erweisende Verzweigungen nicht beseitigt
wurde. Zu diesen gehören die geisteswissenschaftlich ausgerichtete Frankfurter
Schule und der Marxismus-Leninismus. (Als weiteres Beispiel könnte hier auch
noch der Neo-Gramscianismus genannt werden, der auf Ökonomie sich nur scheinbar
einlässt.)
Die bisherigen Resultate der Arbeitsgruppe werden in einer Reihe mit dem
Titel "Studien zu Subsistenz, Familie, Politik" veröffentlicht. Mittlerweile
liegen drei Bände vor. [...]
Der hier dargestellte theoretische Rahmen entsteht nicht aus Spekulation,
sondern durch Nutzbarmachung des durch Einzelwissenschaften (Archäologie,
Paläontologie, Mediävistik, Geschichte) bereitgestellten empirischen Materials.
Dabei ließ es sich eingestandenermaßen nicht vermeiden, dass eine Auswahl
getroffen wurde: der afrikanische Entstehungsraum der Menschheit, die ersten
Ungleichheitsgesellschaften des Zweistromlandes, Phönizier, Hebräer, Griechen,
die römische Antike, der (ost-)fränkisch/deutsche Feudalismus, die 'iberischen
Eigenwege' insbesondere in den Jahrhunderten maurischer Herrschaft, die
altamerikanischen Kulturen der Mayas, Inkas und Azteken, die bürgerliche
Gesellschaft Deutschlands bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Hier ist also auch in der Breite enorm viel geleistet, auch wenn z. B.
Ostasien noch nicht behandelt wurde. [...]
Wer sich vor allem für die aktuellen und unmittelbar politischen
Implikationen des hier vorgestellten Ansatzes interessiert, findet
im dritten Band der Reihe (-Gesellschaft von Tikal bis irgendwo-)
am schnellsten, was er (oder sie) sucht. [...] Hier [...] wird deutlich,
dass die Autorinnen und Autoren den Kontext, in dem sich einst die
Arbeiterbewegung befand, beibehalten. Aber sie orientieren Umwälzung
jetzt auch an Gesichtspunkten der Reproduktion, der Selbstentfaltung und
Gefahrenabwehr. Ihre Praxis bezeichnen sie offenbar lieber als 'emanzipativ'
denn als 'fortschrittlich'."
(G. Fülberth in "Marxistische Blätter" 5/2004)
Karl-Rainer Fabig: "Life Sciences" und die "Studien zu Subsistenz,
Familie, Politik"
"Was steckt eigentlich hinter dem sich offenbar wandelnden Begriff
'Life' und welche Art von Respekt erfordert 'Life' von 'Science'?
Vielleicht sollte jeder nur über die Dinge reden, die er einigermaßen
übersieht. Ich hatte bisher nicht nur die Möglichkeit, einen möglicherweise
sinnvollen Beruf in einer sehr oft sinnlos erscheinenden Umwelt auszuüben,
sondern auch die Möglichkeit zu politischen Erfahrungen im Rahmen der
68er-Studentenbewegung und später. Seit 1979 bis heute bekam ich insbesondere
wissenschaftlich-umweltmedizinischen Belehrungsunterricht durch die Folgen
des Agent Orange aus dem Vietnam-Krieg und von Umweltskandalen in unserem Land.
In den letzten Jahren kam der Versuch einer Art Praxisforschung hinzu, einer
speziellen Auswertung von mehr als 800 komplizierten Befunden von Patienten,
bei denen ich molekulargenetische Analysen von Enzymen im sogenannten
Fremdstoffwechsel (mit Chemikalien und Arzneimitteln) vornehmen ließ. [...]
Von dieser Befundlage hatten auch einige universitär arbeitende Bekannte,
vorwiegend Soziologen, erfahren, die gerade an einem dritten Band über ihre
Sichtweise von 'Life Science' arbeiteten. Die Herausgeber baten mich deshalb
um einen Beitrag in dem dritten Band ihrer Buchreihe, die den Namen trägt:
'Studien zu Subsistenz, Familie, Politik'. Das von mir verfasste Kapitel
heißt: 'Genvarianten und Umweltgifte'.
An diesem Buch, das sich mehr als andere mit geschichtlichen Abläufen und
Entwicklungen befasst, die eher als das gegenwärtige Wortgeklingel der
eigentliche Sinn von 'Life Science' sein könnten, habe ich mich besonders
gern beteiligt, weil es sowohl ein 'Vorwort' als auch ein 'Nachwort' bekam,
in dem es 'um das Eingemachte' des Menschen und seiner Entwicklung in seiner
Mitlebewelt und seinen Gesellschaften geht.
Diesen Blickwinkel von Life Science, von Möglichkeiten und Wirklichkeiten
im Fortschritt und Rückschritt von Gesellschaften und Geschichte in den
'Studien zu Subsistenz, Familie, Politik' möchte ich den finanziell
motivierten Life Science-Projekten entgegenstellen. [...]
Die geographische Breite, die in den 'Studien zu Subsistenz, Familie,
Politik' angestrebt wird, hat - nach Fülberth - nichts mit enzyklopädischem
Ehrgeiz zu tun, sondern dient der Überprüfung (und auch der Falsifizierung)
einer Sichtweise, die eine Entwicklungslinie vom Zweistromland über die Antike,
den europäischen Feudalismus bis zur Industriellen Revolution verabsolutiert.
Es gibt keine Kausalität, in der zwingend eine Stufe auf die andere folgt.
Zugleich wird eine plumpe Auffassung von Fortschritt in Zweifel gezogen.
Verengt man letzteren zur wachsenden Naturbeherrschung, muss in Rechnung
gestellt werden, daß diese von Anfang an mit ökologischer Belastung verbunden
und - falls nicht ursächlich, dann aber auch nicht zufällig - von Ungleichheit
und zunehmender Gewalttätigkeit in den gesellschaftlichen Beziehungen
(auch zwischen den Geschlechtern) begleitet war. [...]
Wichtig erscheinen nun die 'Schlussbemerkungen: Reform und Revolution -
vorsichtig betrachtet' [in Band 3]: 'Wir halten fest an den Begriffen Reform
und Revolution in der Bedeutung praktischer Veränderungen - des Abbaus oder
der Beseitigung - realer Lebensumstände, welche einer wohlverstandenen
Selbsterhaltung der vergesellschafteten Menschen entgegenstehen.'"
(K.-R. Fabig in "Hamburg: Wachsende Stadt durch schrumpfendes
Gemeinwesen?", Hrsg. v. Meinhard Meuche-Mäker, Hartmut Obens, Rainer
Volkmann, Hamburg 2005)
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